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Vitamine – Fluch oder Seegen?

Vitamine, Fluch oder Segen?

Vitamine gelten als unverzichtbar im Sport, und stehen bei den Ergänzungspräparaten an erster Stelle. Sie machen uns leistungsfähiger, helfen gegen Müdigkeit, schützen uns vor Krankheiten und wirken sogar gegen das Altern.

Aber ist das alles auch so? Brauchen wir diese zusätzlichen Vitaminpillen und Braustabletten denn überhaupt?

Composition with variety of drug pills and container

Viele Menschen ergänzen ihre Nahrung mit Vitamin-Präparate. Die sogenannten Wunderpillen gehen jährlich millionenfach über die Theken der Apotheker und Drogeriemärkte.

Allerdings sind diese Produkte umstritten. Wissenschaftler warnen sogar, dass Vitamin-Präparate meist überflüssig, ja manchmal sogar schädlich sind.

Machen wir doch mal eine Zeitreise ins 16. Jahrhundert, zu den Seefahrern, den Eroberern der neuen Welt. Sie starben damals an Vitamin C-Mangel, auch bekannt als Skorbut. Aber warum?

Meist waren die Seeleute über mehrere Wochen lang auf hoher See. Die Essensvorräte waren ausschließlich getrocknetes, gepökeltes Fleisch und Zwieback. Nach Wochen auf hoher See vielen ihnen die Zähne aus, am Körper bildeten sich dunkle Flecken und Hautblutungen.

Sie erkrankten auf Grund einer einseitigen Nahrungsaufnahme.

Erst nachdem später ein Arzt namens Lind, bei einem Test an verschiedenen Matrosen, die Zugabe von Zitronensaftkonzentrat und Sauerkraut verordnete, wand sich das Blatt. Seither hatten die Eroberer der Weltmeere immer Zitronensaft und Sauerkraut mit auf ihren Reisen.

Man verordnete ihnen auch Gemüse und frisches Obst. Die Veränderung des Speiseplans zeigte ihre Wirkung. Die Seeleute kamen selbst nach mehreren Wochen auf See wohlauf zurück.

In einem Selbstversuch habe ich meine Nahrungsaufnahme dokumentiert, um herauszufinden wie viele Vitamine ich mit der normalen täglichen Ernährung zu mir nehme.

Ebenfalls gab es einen Versuch bei WDR 1, Quarks & Co, bei dem eine 11 Jährige Schülerin alles fotografierte, was sie den ganzen Tag so gegessen hatte. Sie aß genau diese Lebensmittel, die eben Kinder gerne essen. Natürlich viele Lebensmittel die wir Erwachsenen als „ungesund“ bezeichnen würden.²

Four schoolkids looking at camera while having lunch during break

Die Bilanz war erstaunlich. Nach den ersten drei Tagen erreichte sie lediglich bei vier von 13 Vitaminen die empfohlene Tagesbilanz. Allerdings sah die Bilanz nach 5 Tagen anders aus. Obwohl sie sich auf den ersten Blick nicht gesund ernährt hatte, nahm sie im Laufe der 5 Tage alle 13 Vitamine zu sich die sie benötigte. Und das durch ein Teller Blumenkohlsuppe, etwas Obst und Gemüse und das ein oder anderen Glas Mehrfruchtsaft.²

Bei meinem Selbstversuch kam ich übrigens auf das gleiche Ergebnis, hatte allerdings dann doch eine andere Obst und Gemüsebilanz als die junge Schülerin.

Ernährungswissenschaftlerin Mathilde Kersting vom Institut für Kinderernährung in Dortmund weiß aus Studien, dass Kinder in Deutschland in der Regel mit Vitaminen sehr gut versorgt sind. Gedanken müsse man sich erst machen, „wenn das Kind wirklich tagelang nur Nudeln mit Ketchup isst“.²

Aber wie funktionieren Vitamine in unserem Körper?

Es gibt 13 verschiedene Vitamine. Diese sind in neun wasserlösliche und vier fettlösliche unterteilt.

Sie erfüllen im Körper tausende wichtige Aufgaben. So ist z.B. Vitamin C, zum Transport von Eisen, vom Darm ins Blut, und den Aufbau des Bindegewebes verantwortlich.

Vitamin A ist an der Knochenbildung beteiligt, unterstützt aber auch die Blutgerinnung und dient somit der Wundheilung.

Einige Vitamine können über mehrere Wochen,  sogar Monate in unserem Körper gespeichert werden. Andere, wie z.B. Vitamin C, K und die B-Vitamine, außer B12, verbleiben mehrere Tage im Blutkreislauf.

Alle Vitamine müssen zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zur Verfügung stehen.

Wie viele Vitamine brauchen wir denn wirklich, und was ist dran an der „empfohlenen Tagesdosis“?

Wer sich die Nährwertangaben bei Lebensmittel mal genauer anschaut, entdeckt sie auch, die „empfohlene Tagesdosis“ bei Vitaminen.

Quarks & Co hat in seinem Bericht, die Wahrheit über Vitamine³ die größten Missverständnisse über die Tagesdosis aufgedeckt. So gilt es z. Bsp. als großes Missverständnis, dass ich die Tagesdosis aller Vitamine täglich erreichen muss. Unser Körper speichert die Vitamine über mehrere Wochen und Monate, einige kann er sogar über Jahre speichern.²

So ist die Tagesdosis auch sehr großzügig kalkuliert. Werden diese Mengen unterschritten, bedeutet das nicht gleich, dass man unterversorgt ist!

Die Tagesdosis ist auch kein internationaler Standard. Beispiel Vitamin C: Die EU kam 2003 zu einem Wert von 80 Milligramm. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt jedoch nur 45, das Institute of Medicine in den USA 90 und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 110 Milligramm.²

Ein allgemeiner Vitaminmangel in Deutschland ist nicht bekannt. Die Empfehlungen der Tagesdosen sollte man als unverbindlich ansehen, und somit kann man das Thema Vitaminmangel von seiner Sorgenliste getrost streichen.

Aber Vitamine können auch ungesund sein!

Wie schaut es mit Vitaminen als Ergänzung im Sport aus. Jeder der Sport treibt kennt sie, die freien Radikale. Diese werden angeblich vom sogenannten „oxidativen Stress“ ausgelöst und sollen bekämpft werden, von den Vitaminen, nämlich vom Vitamin C.

Wie solche Vitamingaben bei uns Menschen wirken, hat der Ernährungsmediziner Prof. Michael Ristow von der ETH Zürich bei Sportlern untersucht. Sportler eignen sich gut, weil sich durch Sport die Anzahl der freien Radikale im Körper erhöht.

Deshalb vermuteten einige Forscher, dass es für Sportler sinnvoll sein könnte, Vitaminpräparate einzunehmen. Doch das Ergebnis lässt Michael Ristow zu ganz anderen Schlüssen kommen: „Das Ergebnis war, dass die Gruppe, die Antioxidantien einnimmt, keinerlei Vorteile durch den Sport hat, und die andere Gruppe sehr viele Vorteile.

Die Gesamtschlussfolgerung ist, dass die freien Radikale, die bei sportlicher Aktivität entstehen, dafür verantwortlich sind, dass Sport gesundheitsfördernd ist.“

Freie Radikale haben also durchaus eine positive Wirkung im Körper. Wer deswegen Vitamintabletten einnimmt, schadet sich eventuell selber.²

Dann gibt es auch noch Menschen die in Extremregionen leben und keine Unterversorgung haben.

Lange Jahre war es den Fachleuten ein Rätsel, warum beispielsweise Inuit nicht unter Mangelerkrankungen leiden, wenn sie sich ausschließlich auf traditionelle Weise ernähren. Denn bei den traditionell lebenden Inuit steht fast nur eins auf dem Speiseplan: Fleisch.

Das Fleisch der Robben, Fische und Wale enthält alle Vitamine. Diese gehen durch die traditionelle Ernährung nicht verloren. Das Fleisch wird weder gekocht noch gebraten, sie essen es roh.

This is a close-up of vegetables and fruits.

 

Mein Fazit:

Unser Körper braucht Vitamine, kann sie aber nicht selbst herstellen.

Jedoch mit einer Ausgewogenen Ernährung nehmen wir alle Vitamine auf, die wir brauchen, davon konnte ich mich auch in meinem Selbstversuch überzeugen.

Die auf der Verpackungsrückseite bei Lebensmittel „empfohlene Tagesdosis“ ist kein Richtwert, sondern als unverbindlich zu betrachten.

Eine Unterversorgung an Vitaminen in Deutschland ist nicht bekannt. Alle Vitamine die wir mit der Nahrung aufnehmen, können vom Körper über einen längeren Zeitraum, sogar über Jahre gespeichert werden.

Das uns die Einnahme von zusätzlichen Vitamin-Präparate leistungsfähiger macht, gegen Müdigkeit hilft, und uns vor Krankheiten schützt, ist daher eher eine Marketing Strategie von der Nahrungsergänzungsmittel Industrie.

Da ich regelmäßig Sport treibe, lasse ich ab und zu von meinem Hausarzt meine Blutwerte kontrollieren, um so eventuellen Mangelerscheinungen entgegen zu wirken.

Bislang musste ich noch nicht in die Ergänzungskiste greifen!

In diesem Sinne,

sportliche Grüße und haltet die Form,

Euer Heiko

 

 

 

² http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/vitamine-pdf100.pdf

 

Und hier noch ein paar Lesetipps zum Thema Vitamine:

https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/

http://www.mri.bund.de/NationaleVerzehrsstudie

 

Handbuch Vitamine: Für Prophylaxe, Therapie und Beratung

Autoren:                             Klaus Pietrzik, Ines Golly, Dieter Loew

Verlagsangaben:             Urban & Fischer Verlag/Elsevier, 2007

ISBN:                                   978-3-437-31320-2 (Taschenbuch)

ISBN:                                    978-3-437-55361-5 (gebunden)

Sonstiges:                          etwa 620 Seiten, 99,99 Euro

(digital und gebunden deutlich günstiger)

Vitamine, Mineralien, Spurenelemente: Gesund und fit mit Vitalstoffen. Ein kritischer Ratgeber

Autor:                                 Heinz Knieriemen

Verlagsangaben:             AT Verlag, Arau, München, 4. Auflage 2014, 2007

ISBN:                                    978-3-03800-249-9

Sonstiges:                          165 Seiten, 12,90 Euro

 

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